Kalimantan

Borneos legendärer unberührter Regenwald

Kalimantan

Die Luft Kalimantans summt noch vor Sonnenaufgang. Sie ist schwer von Nebel, Zikaden und dem leisen Geräusch von etwas Unsichtbarem, das sich unter der spiegelglatten Oberfläche eines schwarzen Flusses bewegt. Ein Rascheln hoch oben in den Baumwipfeln. Eine warme, süß-feuchte Luft auf der Haut.

Es gibt Reisen, die lediglich Erinnerungsfotos hervorbringen – und andere, die den Blick auf das Leben verändern. Kalimantan gehört zur zweiten Kategorie. Es ist einer jener seltenen Orte, an denen die Zeit langsamer vergeht, der Atem tiefer wird und das Herz zur Ruhe kommt.

Alte Stammesgemeinschaften und naturverbundene Kulturen öffnen die Augen für eine Welt, die nicht im Wettbewerb mit der Natur lebt, sondern in Harmonie mit ihr. Und am Ende reist man mit dem Gefühl ab, sich selbst wieder nähergekommen zu sein.

Auf meinen Reisen durch Kalimantan habe ich kilometerlange Märsche durch den Dschungel hinter mich gebracht – mit Schlamm bis zu den Knien, wachsam gegenüber Blutegeln, die an meinen Hosenbeinen emporkletterten, vorsichtig, nicht über die nächste Wurzel zu stolpern. Und doch war ich niemals in meinem Leben präsenter und stärker im Augenblick verankert als dort.

Ich habe mit ehemaligen Kopfjägern gesprochen, die in Stammeskriegen Menschen mit eigenen Händen getötet hatten, um das Territorium und die Identität ihres Stammes zu verteidigen.

Ich habe mich vor einer älteren Frau verneigt, die von ihrer Gemeinschaft aufgrund ihres Wissens und ihrer Weisheit zutiefst verehrt wurde.

Ich habe mit Guides gesprochen, die Geschichten erzählten, die wie aus einem Abenteuerroman klangen – etwa davon, wie sie mit einer Gruppe amerikanischer Reisender durch den undurchdringlichen Dschungel liefen und plötzlich in einem Dorf landeten, das Ausländern feindselig gegenüberstand, sodass sie um ihr Leben rennen mussten. Oder wie sie sich mit Touristen im Dschungel verirrten und schließlich aus Angst um ihr Leben auf einem Lastwagen illegaler Holzfäller mitfahren mussten, weil sie befürchteten, man könne sie in dieser Wildnis verschwinden lassen, damit niemand von den Verbrechen gegen den Regenwald erfuhr.

Wann immer man mit einem Klotok über stille, dunkle Flüsse gleitet, den Sonnenaufgang mit den Rufen der Gibbons begrüßt und Orang-Utans in Freiheit erlebt, spürt man, wie sich innerlich etwas verändert. Die Natur dringt hier tief in einen ein – ebenso wie die Traurigkeit über das, was wir Menschen der Mutter Natur Kalimantans antun.

Kalimantan, der indonesische Teil der Insel Borneo, befindet sich im Spannungsfeld zwischen dem unaufhaltsamen Vormarsch der Palmölindustrie und dem Kampf um die Rettung der letzten Orang-Utans der Insel. Die Zerstörung ihres Lebensraums ist unübersehbar. Gleichzeitig beeindruckt der unermüdliche Einsatz von Organisationen wie BOS oder WWF, die um den Erhalt der letzten großen Regenwälder Borneos kämpfen.

Das wilde Kalimantan, das wir aus Dokumentarfilmen kennen, existiert noch immer.

Und wir möchten Euch ermutigen, es zu entdecken.

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Alles über Kalimantan

Kalimantan ist der indonesische Teil Borneos – und er ist alles andere als klein. Rund 70 % der Insel gehören zu Indonesien, wodurch Kalimantan zu den größten verbliebenen Regenwaldregionen der Erde zählt. Statt eines homogenen Gebiets handelt es sich um ein riesiges Dschungelreich, das in vier Provinzen unterteilt ist:

  • West-Kalimantan

  • Zentral-Kalimantan

  • Süd-Kalimantan

  • Ost-Kalimantan

Jede dieser Provinzen besitzt ihre eigenen Landschaften – von orang-utanreichen Sümpfen über spiegelglatte Flüsse und schwimmende Märkte bis hin zu korallenfarbenen Inselketten. Doch überall bleibt eines gleich: Kalimantan ist das ruhigere, ursprünglichere Borneo – abgelegen, wild und geprägt von Flüssen, Regenwald und Wildtieren statt von Menschenmassen und Beton.

Ost-Kalimantan

Ost-Kalimantan bietet die zugänglichsten Ziele für Naturfans, die besten – und zugleich anspruchsvollsten – Trekkingmöglichkeiten der Insel, interessante Einblicke in die Arbeit der BOS-Stiftung sowie das zweitbeste Tauchgebiet Borneos nach Sipadan. Eingangstor ist die Stadt Balikpapan an der Ostküste, die man über Singapur, Java oder über Tarakan mit Anschluss aus Tawau in Sabah erreicht. Besonders sinnvoll nach einer Sabah-Reise ist die Route Tarakan – Derawan – Samboja – Kutai.

Der Osten Kalimantans hat stark unter Palmölplantagen und illegaler Abholzung gelitten. Einst war der berühmte Kutai-Nationalpark bei Samarinda vollständig von Regenwald bedeckt, und Orang-Utans konnten mühelos direkt bei der Parkverwaltung beobachtet werden. Heute sind große Teile des Parks abgeholzt und hinterlassen bei Besuchern ein bedrückendes Gefühl.

Wer wirklich unberührte Regenwälder mit einer intakten Orang-Utan-Population erleben möchte, muss sich weit von Samarinda entfernen. Die Mühe wird jedoch mit einigen der besten Trekkingmöglichkeiten Borneos im beeindruckenden Kayan-Mentarang-Nationalpark belohnt.

Nahe Balikpapan befindet sich außerdem Samboja Lestari, das Forschungs- und Rehabilitationszentrum der BOS-Stiftung. Anders als in vielen anderen Rehabilitationszentren verfolgt BOS hier eine strikte Trennung zwischen Mensch und Tier. Der enge Kontakt mit Orang-Utans wird bewusst vermieden. Besucher lernen stattdessen, Tiere aus respektvoller Distanz zu beobachten und können sich an freiwilligen Aktivitäten wie der Futtervorbereitung beteiligen.

Nordöstlich Kalimantans wartet im Derawan-Archipel eines der besten Tauchgebiete Borneos – ohne die Menschenmassen von Sipadan.

Ost-Kalimantan eignet sich besonders für Liebhaber anspruchsvoller Trekkingtouren und der Meeresfauna Borneos.

Zentral-Kalimantan

Die Nähe zu Java bringt Zentral-Kalimantan die meisten Besucher – und fast alle enden im berühmten Tanjung-Puting-Nationalpark, der größten Attraktion des indonesischen Borneos.

Rund um die Provinzhauptstadt Palangkaraya gibt es einige interessante Ausflugsziele, die sich gut für ein paar zusätzliche Tage eignen.

Tanjung Puting ist vor allem dafür bekannt, dass hier halbwilde und an Menschen gewöhnte Orang-Utans beobachtet werden können. Pangkalan Bun dient als schnelles Eingangstor aus Java.

Von Palangkaraya aus beginnen Reisen in einige der abgelegensten Regionen Borneos – ein Gebiet für erfahrene Abenteurer mit hoher Leidensfähigkeit.

Besonders wagemutige Reisende können die extrem strapaziöse Reise in den Bukit-Baka-Bukit-Raya-Nationalpark unternehmen. Dort befindet sich mit dem 2.278 Meter hohen Bukit Raya die höchste Erhebung Kalimantans.

Die Landschaft mit ihren Bergen und dichten Primärregenwäldern ist spektakulär, doch Orang-Utans sind hier sehr scheu. Besonders gute Chancen bestehen entlang des Ella-Flusses nahe des Dorfes Belaban.

Die enorm langen Anfahrtszeiten und fehlende Flugverbindungen machen diese Region zu einer der abgelegensten Ecken ganz Borneos.

West-Kalimantan

Südlich von Pontianak, der Hauptstadt West-Kalimantans, liegt der ständig von Abholzung bedrohte Gunung-Palung-Nationalpark. Mit etwa 10 % der weltweiten Orang-Utan-Population zählt er zu den wichtigsten Schutzgebieten der Art.

1985 gründete Primatenforscher Dr. Mark Leighton die Forschungsstation Cabang Panti mitten im Park. Seitdem haben zahlreiche Wissenschaftler die einzigartige Tierwelt untersucht.

Neben Orang-Utans leben hier Weißbartgibbons, viele weitere Primatenarten, eine enorme Vogelvielfalt und eine beeindruckende Herpetofauna.

Um das Jahr 2000 galt Gunung Palung als bester Nationalpark Borneos zur Beobachtung wilder Orang-Utans. Doch die illegale Abholzung hat seither dramatisch zugenommen. Auf Trekkingtouren hört man oft Kettensägen im Hintergrund.

Besucher gelangen von Sukadana zum einfachen Waldcamp Lubuk Baji. Komfort darf hier allerdings nicht erwartet werden.

Betung-Kerihun-Nationalpark & Kapuas Hulu

Der Kapuas-Fluss durchzieht eines der letzten weitgehend unerforschten Primärregenwaldgebiete Borneos entlang der Grenze zu Sarawak. Viele Dayak-Gemeinschaften leben hier noch traditionell.

Eingangstor ist Putussibau, eine kleine Stadt mit angenehmer Atmosphäre und authentischen Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung.

Die tierreichsten Regionen des Parks befinden sich entlang des oberen Embaloh-Flusses. Ziel vieler Expeditionen ist das Derian Camp, von dem aus Tierbeobachtungen, Wasserfallwanderungen und Trekkingtouren möglich sind.

Feste Unterkünfte existieren kaum – Reisende übernachten meist in einfachen Homestays oder Zelten.

Besonders spannend sind Bootsfahrten, Besuche traditioneller Iban-Langhäuser, Rafting und Expeditionstrekkings.

Das ultimative Abenteuer ist die historische Durchquerung Borneos entlang der Mahakam-Route – eine extrem harte siebentägige Trekkingtour durch das Müller-Gebirge.

Anders als in vielen anderen Regionen Indonesiens bemüht sich die Regierung hier tatsächlich darum, nachhaltigen Ökotourismus zu fördern.

Danau Sentarum

Danau Sentarum bildet das größte Süßwasserseensystem Kalimantans. Die geschützten Sumpfgebiete sind Heimat von Orang-Utans und zahlreichen weiteren Arten. Infrastruktur gibt es kaum.

Wichtigste Erlebnisse auf Kalimantan

Orang-Utan-Safaris

Wenn man einem wilden Orang-Utan in die Augen blickt, verändert sich etwas im Inneren. Begegnungen in Kalimantan sind nicht inszeniert, sondern respektvoll und still.

Dschungel-Trekking

Schlamm, Feuchtigkeit und dichter Wald – Dschungeltrekkings sind anstrengend, aber unglaublich lohnend.

Flussexpeditionen

Kalimantan lebt von seinen Flüssen. Auf einem traditionellen Klotok-Boot gleitet man langsam durch den Dschungel, vorbei an Nashornvögeln, Nasenaffen und Fischern.

Tauchen & Schnorcheln in Derawan

Unter der Oberfläche warten Schildkröten, Korallengärten und Mantarochen. Die Abgeschiedenheit macht Derawan besonders.

Begegnungen mit der Dayak-Kultur

Die Dayak gelten als Hüter des Regenwalds. Ihr starkes Gemeinschaftsgefühl und ihre spirituelle Verbindung zur Natur erinnern an Lebensweisen, die in westlichen Gesellschaften längst verloren gegangen sind.

Beste Reisezeit

Die beste Reisezeit für Kalimantan liegt zwischen Juni und September. In dieser Zeit lassen die Regenfälle nach, Wege werden besser begehbar und die Flüsse ruhiger.

Mit Regen muss jedoch ganzjährig gerechnet werden.

Klotok-Touren im Tanjung Puting Nationalpark

Ein Klotok ist ein traditionelles Holzboot, auf dem man mehrere Tage lebt, schläft und reist.

Tagsüber gleitet man über den Sekonyer-Fluss, besucht Futterplattformen und beobachtet Orang-Utans. Nachts ankert das Boot ruhig im Dschungel.

Was Euch erwartet

  • Matratzen und Moskitonetze auf Deck

  • Frischwasserduschen

  • Westliche Toiletten

  • Hausgemachte indonesische Küche

  • Orang-Utans, Nasenaffen, Hornvögel, Gibbons und gelegentlich Malaienbären

Budget vs. Deluxe

Budget-Klotoks:

  • offene Schlafbereiche

  • Ventilatoren

  • einfache Matratzen

Deluxe-Klotoks:

  • private Kabinen

  • Klimaanlage

  • leisere Motoren

  • komfortablere Betten

Sicherheit auf Kalimantan

Die medizinische Versorgung außerhalb der Städte ist eingeschränkt. Gesunder Menschenverstand ist wichtiger als Paranoia.

Taschendiebstahl auf Märkten oder an Häfen kommt gelegentlich vor. Wertgegenstände sollten nie offen gezeigt werden.

Nachts ist erhöhte Vorsicht angebracht, insbesondere auf abgelegenen Straßen oder Flussufern.

Alleinreisende Frauen sollten gepflegte Unterkünfte wählen und sich vertrauenswürdigen Guides anschließen.

Kalimantan vs. Sabah & Sarawak

Kalimantan ist das wilde Herz Borneos: rau, ursprünglich und voller echter Entdeckungsmomente.

Sabah und Sarawak in Malaysia bieten dagegen mehr Komfort, bessere Infrastruktur und einfacher zugängliche Naturerlebnisse.

Verantwortung & Naturschutz

Kalimantan ist wunderschön – und extrem bedroht.

Palmölindustrie und illegale Abholzung zerstören seit Jahrzehnten die Wälder. Orang-Utans verlieren ihren Lebensraum, indigene Gemeinschaften werden verdrängt.

Die letzten großen Regenwälder Nord- und Zentralkalimantans gehören zu den letzten Zufluchtsorten der einzigartigen Tierwelt Borneos.

Der Schutz dieser Gebiete hängt heute fast ausschließlich von Umweltorganisationen und nachhaltigem Ökotourismus ab.

Kalimantan braucht keine klassischen Touristen. Es braucht bewusste Entdecker, die mehr geben, als sie nehmen.

Warum und wann solltst Du nach Kalimantan reisen
Warum

Die letzten unberührten Regenwälder Indonesiens, eine Klotok-Fahrt auf den Gewässern des Sekonyer-Flusses im legendären Tanjung-Puting-Nationalpark, Besuche der Orang-Utan-Stationen von Biruté Galdikas, Nasenaffen, Begegnungen mit dem Volk der Iban und Weltklasse-Tauchen im Derawan-Archipel.

Wann

März bis Oktober


Tiere in Kalimantan

Dschungel: Wenn Euch ein Wort in den Sinn kommt, wenn Ihr an Kalimantan denkt, dann ist es dieses. Auf Eurer Safari in Kalimantan ist der Dschungel der unbestrittene Star der Reise – und natürlich die Tierwelt, die dort lebt.

Selbstverständlich möchtet Ihr wilde Orang-Utans in ihrem natürlichen Lebensraum sehen. Die besten Chancen dafür bietet zweifellos der Tanjung-Puting-Nationalpark, der für die Arbeit der Primatenforscherin Biruté Galdikas berühmt wurde. Sie widmete ihr Leben dem Schutz dieser faszinierenden Menschenaffenart, die heute durch Abholzung und den Verlust ihres Lebensraums massiv bedroht ist.

Doch nicht nur Orang-Utans stehen ganz oben auf der Wunschliste vieler Kalimantan-Besucher. Auch die Nasenaffen mit ihren kuriosen Gesichtern zählen zu den großen Highlights.

Die beste Art, den sekundären Regenwald des Tanjung-Puting-Nationalparks zu erkunden, ist an Bord eines Klotoks – eines traditionellen Holzboots, auf dem man unter dem Sternenhimmel schlafen kann, während tagsüber die geschulten Augen Eures Guides die Ufer aufmerksam nach Wildtieren absuchen.


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