Kalimantan ist der indonesische Teil Borneos – und er ist alles andere als klein. Rund 70 % der Insel gehören zu Indonesien, wodurch Kalimantan zu den größten verbliebenen Regenwaldregionen der Erde zählt. Statt eines homogenen Gebiets handelt es sich um ein riesiges Dschungelreich, das in vier Provinzen unterteilt ist:
West-Kalimantan
Zentral-Kalimantan
Süd-Kalimantan
Ost-Kalimantan
Jede dieser Provinzen besitzt ihre eigenen Landschaften – von orang-utanreichen Sümpfen über spiegelglatte Flüsse und schwimmende Märkte bis hin zu korallenfarbenen Inselketten. Doch überall bleibt eines gleich: Kalimantan ist das ruhigere, ursprünglichere Borneo – abgelegen, wild und geprägt von Flüssen, Regenwald und Wildtieren statt von Menschenmassen und Beton.
Ost-Kalimantan
Ost-Kalimantan bietet die zugänglichsten Ziele für Naturfans, die besten – und zugleich anspruchsvollsten – Trekkingmöglichkeiten der Insel, interessante Einblicke in die Arbeit der BOS-Stiftung sowie das zweitbeste Tauchgebiet Borneos nach Sipadan. Eingangstor ist die Stadt Balikpapan an der Ostküste, die man über Singapur, Java oder über Tarakan mit Anschluss aus Tawau in Sabah erreicht. Besonders sinnvoll nach einer Sabah-Reise ist die Route Tarakan – Derawan – Samboja – Kutai.
Der Osten Kalimantans hat stark unter Palmölplantagen und illegaler Abholzung gelitten. Einst war der berühmte Kutai-Nationalpark bei Samarinda vollständig von Regenwald bedeckt, und Orang-Utans konnten mühelos direkt bei der Parkverwaltung beobachtet werden. Heute sind große Teile des Parks abgeholzt und hinterlassen bei Besuchern ein bedrückendes Gefühl.
Wer wirklich unberührte Regenwälder mit einer intakten Orang-Utan-Population erleben möchte, muss sich weit von Samarinda entfernen. Die Mühe wird jedoch mit einigen der besten Trekkingmöglichkeiten Borneos im beeindruckenden Kayan-Mentarang-Nationalpark belohnt.
Nahe Balikpapan befindet sich außerdem Samboja Lestari, das Forschungs- und Rehabilitationszentrum der BOS-Stiftung. Anders als in vielen anderen Rehabilitationszentren verfolgt BOS hier eine strikte Trennung zwischen Mensch und Tier. Der enge Kontakt mit Orang-Utans wird bewusst vermieden. Besucher lernen stattdessen, Tiere aus respektvoller Distanz zu beobachten und können sich an freiwilligen Aktivitäten wie der Futtervorbereitung beteiligen.
Nordöstlich Kalimantans wartet im Derawan-Archipel eines der besten Tauchgebiete Borneos – ohne die Menschenmassen von Sipadan.
Ost-Kalimantan eignet sich besonders für Liebhaber anspruchsvoller Trekkingtouren und der Meeresfauna Borneos.
Zentral-Kalimantan
Die Nähe zu Java bringt Zentral-Kalimantan die meisten Besucher – und fast alle enden im berühmten Tanjung-Puting-Nationalpark, der größten Attraktion des indonesischen Borneos.
Rund um die Provinzhauptstadt Palangkaraya gibt es einige interessante Ausflugsziele, die sich gut für ein paar zusätzliche Tage eignen.
Tanjung Puting ist vor allem dafür bekannt, dass hier halbwilde und an Menschen gewöhnte Orang-Utans beobachtet werden können. Pangkalan Bun dient als schnelles Eingangstor aus Java.
Von Palangkaraya aus beginnen Reisen in einige der abgelegensten Regionen Borneos – ein Gebiet für erfahrene Abenteurer mit hoher Leidensfähigkeit.
Besonders wagemutige Reisende können die extrem strapaziöse Reise in den Bukit-Baka-Bukit-Raya-Nationalpark unternehmen. Dort befindet sich mit dem 2.278 Meter hohen Bukit Raya die höchste Erhebung Kalimantans.
Die Landschaft mit ihren Bergen und dichten Primärregenwäldern ist spektakulär, doch Orang-Utans sind hier sehr scheu. Besonders gute Chancen bestehen entlang des Ella-Flusses nahe des Dorfes Belaban.
Die enorm langen Anfahrtszeiten und fehlende Flugverbindungen machen diese Region zu einer der abgelegensten Ecken ganz Borneos.
West-Kalimantan
Südlich von Pontianak, der Hauptstadt West-Kalimantans, liegt der ständig von Abholzung bedrohte Gunung-Palung-Nationalpark. Mit etwa 10 % der weltweiten Orang-Utan-Population zählt er zu den wichtigsten Schutzgebieten der Art.
1985 gründete Primatenforscher Dr. Mark Leighton die Forschungsstation Cabang Panti mitten im Park. Seitdem haben zahlreiche Wissenschaftler die einzigartige Tierwelt untersucht.
Neben Orang-Utans leben hier Weißbartgibbons, viele weitere Primatenarten, eine enorme Vogelvielfalt und eine beeindruckende Herpetofauna.
Um das Jahr 2000 galt Gunung Palung als bester Nationalpark Borneos zur Beobachtung wilder Orang-Utans. Doch die illegale Abholzung hat seither dramatisch zugenommen. Auf Trekkingtouren hört man oft Kettensägen im Hintergrund.
Besucher gelangen von Sukadana zum einfachen Waldcamp Lubuk Baji. Komfort darf hier allerdings nicht erwartet werden.
Betung-Kerihun-Nationalpark & Kapuas Hulu
Der Kapuas-Fluss durchzieht eines der letzten weitgehend unerforschten Primärregenwaldgebiete Borneos entlang der Grenze zu Sarawak. Viele Dayak-Gemeinschaften leben hier noch traditionell.
Eingangstor ist Putussibau, eine kleine Stadt mit angenehmer Atmosphäre und authentischen Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung.
Die tierreichsten Regionen des Parks befinden sich entlang des oberen Embaloh-Flusses. Ziel vieler Expeditionen ist das Derian Camp, von dem aus Tierbeobachtungen, Wasserfallwanderungen und Trekkingtouren möglich sind.
Feste Unterkünfte existieren kaum – Reisende übernachten meist in einfachen Homestays oder Zelten.
Besonders spannend sind Bootsfahrten, Besuche traditioneller Iban-Langhäuser, Rafting und Expeditionstrekkings.
Das ultimative Abenteuer ist die historische Durchquerung Borneos entlang der Mahakam-Route – eine extrem harte siebentägige Trekkingtour durch das Müller-Gebirge.
Anders als in vielen anderen Regionen Indonesiens bemüht sich die Regierung hier tatsächlich darum, nachhaltigen Ökotourismus zu fördern.
Danau Sentarum
Danau Sentarum bildet das größte Süßwasserseensystem Kalimantans. Die geschützten Sumpfgebiete sind Heimat von Orang-Utans und zahlreichen weiteren Arten. Infrastruktur gibt es kaum.
Wichtigste Erlebnisse auf Kalimantan
Orang-Utan-Safaris
Wenn man einem wilden Orang-Utan in die Augen blickt, verändert sich etwas im Inneren. Begegnungen in Kalimantan sind nicht inszeniert, sondern respektvoll und still.
Dschungel-Trekking
Schlamm, Feuchtigkeit und dichter Wald – Dschungeltrekkings sind anstrengend, aber unglaublich lohnend.
Flussexpeditionen
Kalimantan lebt von seinen Flüssen. Auf einem traditionellen Klotok-Boot gleitet man langsam durch den Dschungel, vorbei an Nashornvögeln, Nasenaffen und Fischern.
Tauchen & Schnorcheln in Derawan
Unter der Oberfläche warten Schildkröten, Korallengärten und Mantarochen. Die Abgeschiedenheit macht Derawan besonders.
Begegnungen mit der Dayak-Kultur
Die Dayak gelten als Hüter des Regenwalds. Ihr starkes Gemeinschaftsgefühl und ihre spirituelle Verbindung zur Natur erinnern an Lebensweisen, die in westlichen Gesellschaften längst verloren gegangen sind.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für Kalimantan liegt zwischen Juni und September. In dieser Zeit lassen die Regenfälle nach, Wege werden besser begehbar und die Flüsse ruhiger.
Mit Regen muss jedoch ganzjährig gerechnet werden.
Klotok-Touren im Tanjung Puting Nationalpark
Ein Klotok ist ein traditionelles Holzboot, auf dem man mehrere Tage lebt, schläft und reist.
Tagsüber gleitet man über den Sekonyer-Fluss, besucht Futterplattformen und beobachtet Orang-Utans. Nachts ankert das Boot ruhig im Dschungel.
Was Euch erwartet
Matratzen und Moskitonetze auf Deck
Frischwasserduschen
Westliche Toiletten
Hausgemachte indonesische Küche
Orang-Utans, Nasenaffen, Hornvögel, Gibbons und gelegentlich Malaienbären
Budget vs. Deluxe
Budget-Klotoks:
offene Schlafbereiche
Ventilatoren
einfache Matratzen
Deluxe-Klotoks:
private Kabinen
Klimaanlage
leisere Motoren
komfortablere Betten
Sicherheit auf Kalimantan
Die medizinische Versorgung außerhalb der Städte ist eingeschränkt. Gesunder Menschenverstand ist wichtiger als Paranoia.
Taschendiebstahl auf Märkten oder an Häfen kommt gelegentlich vor. Wertgegenstände sollten nie offen gezeigt werden.
Nachts ist erhöhte Vorsicht angebracht, insbesondere auf abgelegenen Straßen oder Flussufern.
Alleinreisende Frauen sollten gepflegte Unterkünfte wählen und sich vertrauenswürdigen Guides anschließen.
Kalimantan vs. Sabah & Sarawak
Kalimantan ist das wilde Herz Borneos: rau, ursprünglich und voller echter Entdeckungsmomente.
Sabah und Sarawak in Malaysia bieten dagegen mehr Komfort, bessere Infrastruktur und einfacher zugängliche Naturerlebnisse.
Verantwortung & Naturschutz
Kalimantan ist wunderschön – und extrem bedroht.
Palmölindustrie und illegale Abholzung zerstören seit Jahrzehnten die Wälder. Orang-Utans verlieren ihren Lebensraum, indigene Gemeinschaften werden verdrängt.
Die letzten großen Regenwälder Nord- und Zentralkalimantans gehören zu den letzten Zufluchtsorten der einzigartigen Tierwelt Borneos.
Der Schutz dieser Gebiete hängt heute fast ausschließlich von Umweltorganisationen und nachhaltigem Ökotourismus ab.
Kalimantan braucht keine klassischen Touristen. Es braucht bewusste Entdecker, die mehr geben, als sie nehmen.