Zufluchtsort für verwaiste Orang-Utan-Kinder
Schätzungsweise gibt es noch maximal 60.000 frei lebende Orang-Utans. 80 % davon leben in den Urwäldern von Indonesien. Der Rest in den malaysischen Ländern von Sarawak und Sabah auf Borneo. Laut eines erschütternden Berichts des Umweltprogramms der UNO werden die rothaarigen Waldmenschen bei Einhaltung des jetzigen Waldrodungrythmus in nur zwanzig Jahren aus der Fläche der Erde für immer verschwunden sein.
Größte und akuteste Gefahr für die Orang Utans ist die vernichtende Palmölindustrie, die ihren natürlichen Lebensraum im rasanten Tempo zerstört. Verzweifelte Orang Utan-Mutter gehen an die Palmölplantagen, um Futter für ihre Kinder zu suchen. Nicht selten werden sie bei der Tat ertappt und brutal ermordet.
Die Idee mit dem Aufbau von Rehabilitationszentren für Orang Utan-Waisen zurück in den Siebzigerjahren berührte darin, den verwaisten Orang Utan-Kinder nicht nur ein sicheres Zuhause anzubieten, sondern diese für eine Wiederfreilassung in die freie Wildbahn vorzubereiten.
Doch der Lernprozess von Orang Utans ist langwierig und kompliziert. Orang Utans bleiben bis zu sieben Jahren in Obhut ihrer Mutter und lernen von ihr alles, was sie zum Überleben im Urwald brauchen.
Wie es sich nach Jahrzehnten gescheiterten Versuchen herausstellte, können wir Menschen niemals Ersatz für Orang Utan-Mütter werden. Von Menschen großgezogenen Orang Utans werden nie in der Lage sein, ganz alleine und zu 100 % selbstständig für sich selbst zu sorgen. Dafür haben sie nicht alle Fertigkeiten gelernt, die ihr Überleben in der wilden Dschungel sichern.
Heute geht hinsichtlich der Rehabilitierung von traumatisierten Primaten behutsamer vor. Dennoch bleiben viele Rehabilitationszentren für Orang Utans noch offen und dienen vor allem der Sicherstellung von Futter für die halbzahmen der hier groß gezogenen Orang Utan-Erwachsenen, die bei Essensknappheit in der freien Natur gerne mal wieder zu den zweimal täglich stattfindenden Fütterungszeiten erscheinen.
Das bekannteste solche Rehabilitationszentrum Borneos ist das Camp Leaky im indonesischen Tanjung Puting Nationalpark. Das Camp ist das Lebenswerk der bekannten Primatenschützerin Dr. Birute Galdikas. Die hier gefütterten Orang Utans sind äußerst zutraulich, haben keinen Scheu von den Menschen und nährern sich den Besuchern sehr gerne an. Einige Exemplare sind sogar bekannt, sich in die Arme von Besuchern zu werfen!
Die plötzliche Intimität zu einem wilden Tier ist natürlich ein Gänsehaut verusachendes Erlebnis. Dennoch muss man stets sich daran erinnern, dass die Camp Leaky-Orang Utans immer noch wilde Tiere sind, denen den Draht zu ihrem natürlichen Umfeld von uns Menschen abgeschnitten wurde.
Eine Begegnung mit den Orang Utans von Camp Leaky sollte also aus Reflektierung über das erschütternde Schicksal dieser liebenswerten Tiere erfolgen und nicht bloß statt finden, um süße Bilder mit gerne posierenden Orang Utans zu schießen.
Das andere weltweit bekanntes Rehabilitationszentrum ist das Sepilok Reservat in malaysischen Sabah. Im Gegensatz von Camp Leaky ist Sepilok von einem markanten Zoo-Charakter geprägt. Hier sieht man die Orang Utans von einer Art Zuschauertribune bei der Fütterung zu. Unbedingt meiden sollte man die morgendliche Fütterung am Wochenende, wo Hunderte lauter einheimischen Touristen eintreffen.
Auch Semenggoh nah Kuching (Sarawak) ist ein solches Rehabilitationszentrum.